Ein wachsendes Problem – Warum immer mehr Kinder an Übergewicht leiden
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Ein wachsendes Problem – Warum immer mehr Kinder an Übergewicht leiden

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Tim Klewin

Ernährungswissenschaftler, Experten Allianz Sport, Kinder- und Jugendtraining e.V.

Laut KiGGS-Studie sind 9,5 % der Kinder in Deutschland übergewichtig. Digitale Medien, ungesunde Werbung und Bewegungsmangel sind zentrale Ursachen – aber mit dem richtigen Vorbildverhalten können Eltern viel bewirken.

Veröffentlicht: 15. August 2024

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von Übergewicht betroffen. Unser moderner Lebensstil, stundenlanges Sitzen vor dem Bildschirm und digitale Medien sind dabei eine zentrale Ursache.

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren in Deutschland (KiGGS Welle 2, 2014–2017) sind 9,5 % von Übergewicht betroffen, 5,9 % sind adipös. Vielen Menschen sind die gesundheitlichen Folgen nicht bewusst, obwohl Übergewicht und Adipositas zahlreiche Erkrankungen begünstigen: von Herz-Kreislauferkrankungen über Diabetes und Gelenkprobleme bis hin zu Atemwegserkrankungen. Neben körperlichen Folgen kann auch das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl darunter leiden. Durch die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten während der Coronapandemie bei gleichzeitig steigendem Lebensmittelkonsum ist eine weitere Zunahme der Prävalenz von Übergewicht bei Kindern zu erkennen. [1]

Kind steht auf einer roten Waage

Unterschied zwischen Übergewicht und Adipositas

Wenn der Body-Mass-Index (BMI) oberhalb der 90. Perzentile liegt, spricht man bei Kindern und Jugendlichen von Übergewicht. Das bedeutet, dass der BMI höher ist als derjenige von 90 % der Mädchen bzw. Jungen in der jeweiligen Altersgruppe. Perzentilen sind Angaben, mit denen Größe und Gewicht des Kindes mit Gleichaltrigen verglichen werden können.

Bei Adipositas liegt der BMI über der 97. Perzentile. Adipositas wird heute von der Medizin als chronische Erkrankung betrachtet. [2]

Der BMI ist derzeit die einfachste diagnostische Methode, die auch beim Arzt verwendet wird. Ergänzend sollte jedoch auch die körperliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden – denn es gibt auch sehr dünne Kinder mit wenig Fettmasse, aber gleichzeitig wenig Muskelmasse.

Ursachen für Übergewicht und Adipositas

Die Ursachen sind vielfältig und meist ein Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Umstände. Neben begrenzten Bewegungsmöglichkeiten und einem stetig wachsenden digitalen Unterhaltungsangebot, das Kinder zum Sitzen animiert, spielt auch Werbung und das große Angebot ungesunder Lebensmittel eine wichtige Rolle.

Durch eine erhöhte Kalorienaufnahme und ein ungesundes Essverhalten steigt das Risiko, an Übergewicht zu erkranken, um das 5-Fache. Bei körperlicher Inaktivität steigt es sogar um das 8-Fache. [3]

Laut dem Robert-Koch-Institut erreichen lediglich 46 % der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren die WHO-Empfehlung zur körperlichen Aktivität. Bei den 14- bis 17-Jährigen sind es nur noch 12 %. [4]

Drei Kinder schauen gemeinsam auf Smartphones

Eine Studie der Universität Hamburg zeigt, dass in 92 % aller Lebensmittelwerbespots Produkte mit zu hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt beworben werden – darunter Fastfood, Süßigkeiten und fetthaltige Milchprodukte. Im Durchschnitt sind Kinder zwischen 3 und 13 Jahren täglich 15 solcher Werbespots ausgesetzt, die ihr Essverhalten und die Kaufentscheidungen der Eltern beeinflussen. [5]

Auch die Genetik spielt eine wichtige Rolle: Bei 80 % der übergewichtigen Kinder ist mindestens ein Elternteil übergewichtig, bei 30 % sogar beide. Trotz genetischer Veranlagung bedeutet das jedoch nicht, dass Übergewicht unvermeidbar ist – frühzeitig einen gesunden Lebensstil zu etablieren macht den entscheidenden Unterschied. [6]

Tipps für Eltern zur Prävention von Übergewicht

Familie beim Picknick im Park mit Obst und Wassermelone

1. Vorbild sein: Kinder orientieren sich stark an ihren Eltern. Lebe selbst einen gesunden Lebensstil – ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und bewusster Umgang mit digitalen Medien.

2. Gesunde Ernährung fördern: Biete täglich frische und nährstoffreiche Mahlzeiten an mit einer ausgewogenen Portion Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Proteinen. Stark verarbeitete Lebensmittel und zuckerhaltige Snacks sollten selten auf dem Tisch stehen – ein komplettes Verbot von Süßigkeiten ist dabei wenig zielführend. Vielmehr ist ein bewusster Konsum in Maßen entscheidend.

3. Körperliche Aktivität in den Alltag integrieren: Egal ob Sport, Spielen im Freien oder ein Spaziergang – körperliche Aktivität ist entscheidend für eine gesunde Entwicklung. Lebe Deinem Kind einen aktiven Lebensstil vor.

4. Medienkonsum begrenzen: Sprich mit Deinem Kind über eine begrenzte Bildschirmzeit und ermutige es zu aktiveren Freizeitbeschäftigungen. Digitale Medien lassen sich dabei bewusst nutzen, um gemeinsam Bewegungsvideos oder Rezepte für gesunde Mahlzeiten anzuschauen.

5. Regelmäßige Arztbesuche: Lasse das Gewicht und die Gesundheit Deines Kindes regelmäßig vom Kinderarzt überprüfen, um Veränderungen so früh wie möglich zu erkennen.

Fazit

Übergewicht bei Kindern ist ein ernstzunehmendes, aber gleichzeitig vermeidbares Problem. Eltern sind hierbei das größte Vorbild – wenn es um ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und einen bewussten Umgang mit Medien geht. Als Vorbild förderst du langfristig einen gesunden und glücklichen Lebensstil deiner Kinder.


Quellen

[1] Bundesministerium für Gesundheit. (2024). Förderschwerpunkt Prävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. bundesgesundheitsministerium.de

[2] Glaser, H. & Zorn, J. (2023). Übergewicht bei Kindern: Ursachen und Folgen. navigator-medizin.de

[3] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (2018). „Mein Kind ist zu dick". dgkj.de

[4] Robert-Koch-Institut. (2020). Themenblatt: Körperliche Aktivität. rki.de

[5] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. (2024). Mehr Kinderschutz in der Werbung: Pläne für klare Regeln zu an Kindern gerichteter Lebensmittelwerbung. bmel.de

[6] Glaser, H. & Zorn, J. (2023). Übergewicht bei Kindern: Ursachen und Folgen. navigator-medizin.de

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Über den Autor

Tim Klewin

Ernährungswissenschaftler, Experten Allianz Sport, Kinder- und Jugendtraining e.V.

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