
EsKiMo II – Wie ernähren sich Kinder und Jugendliche in Deutschland wirklich?
Jan Reimann
Experten Allianz Sport, Kinder- und Jugendtraining e.V.
Die EsKiMo-II-Studie des Robert-Koch-Instituts hat das Ernährungsverhalten von 2.644 Kindern und Jugendlichen untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Nicht die Menge, sondern die Qualität der aufgenommenen Nährstoffe ist das Problem.
Veröffentlicht: 19. September 2024
Doch wie ernähren sich Deutschlands Kinder und Jugendliche wirklich und welche Auffälligkeiten gibt es? In diesem Blogartikel stellen wir Euch wesentliche Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung, der EsKiMo II Studie, vor und leiten daraus praktische Handlungsempfehlungen ab.
Was bedeutet EsKiMo?
EsKiMo I (2009–2012) und EsKiMo II (2015–2017) wurden als Querschnittstudien im Rahmen von KiGGS durchgeführt. „KiGGS" bezeichnet die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und ist Bestandteil des Gesundheitsmonitorings des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Abkürzung „EsKiMo" steht für Ernährungsstudie als KiGGS-Modul. Ziel ist die Erforschung des Ernährungsverhaltens von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren in Deutschland.
Was und wie wurde untersucht?
In EsKiMo II wurde das Ernährungsverhalten von 2.644 Kindern und Jugendlichen aus 167 Städten und Gemeinden untersucht. Der Lebensmittelverzehr der 6- bis 11-Jährigen (n = 1.285) wurde mithilfe der Eltern durch Wiegeprotokolle ermittelt. Bei den Jugendlichen (12–17 Jahre; n = 1.359) erfolgte die Erfassung durch ein umfangreiches Ernährungsinterview. Zur Bewertung wurden die Ergebnisse mit den Empfehlungen der Optimierten Mischkost (OMK) des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund abgeglichen. [1]
Ergebnisse
Die Energiezufuhr liegt bei 6- bis 11-jährigen Mädchen sowie bei 12- bis 17-jährigen Jugendlichen beider Geschlechter leicht unter den Referenzwerten. Lediglich bei 6- bis 11-jährigen Jungen wurde nahezu vollständige Übereinstimmung festgestellt. Zwischen EsKiMo I (2003) und EsKiMo II (2017) wurde ein signifikanter Rückgang der Energiezufuhr beobachtet – trotzdem blieb die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas weitgehend stabil. In der EsKiMo-II-Stichprobe wurde jedoch eine Zunahme von Untergewicht festgestellt.
Die Hauptquellen für die Energiezufuhr sind bei Kindern Brot, Süßwaren, Kuchen und Milchprodukte – bei Jugendlichen kommen Wurstwaren hinzu.
Proteine: Die Proteinzufuhr übersteigt in allen Altersgruppen deutlich die Referenzwerte. Hauptquellen sind Brot, Wurstwaren, Milchprodukte sowie Fleisch. [2]
Fette: Die Gesamtfettzufuhr liegt im empfohlenen Bereich, die Fettsäurezusammensetzung ist jedoch suboptimal: gesättigte Fettsäuren zu hoch, mehrfach ungesättigte zu gering.
Kohlenhydrate: Der empfohlene Bereich von über 50 Energieprozent wird erreicht – allerdings stammt ein Großteil aus Brot und Süßwaren, was zu einer hohen Gesamtzuckeraufnahme führt.
Handlungsempfehlungen
Die Ernährungssituation zeigt positive Tendenzen – etwa den Rückgang des Konsums zuckergesüßter Getränke. Dennoch gibt es Handlungsbedarf: Nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität der Nährstoffe ist entscheidend.
Proteine: Gesunde Proteinquellen sind Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen), Haferflocken, Nüsse, mageres Fleisch und Milchprodukte – möglichst wenig verarbeitet.
Fette: Der Anteil gesundheitsförderlicher mehrfach ungesättigter Fettsäuren ist zu gering. Gute Quellen: Nüsse, naturbelassene kaltgepresste Pflanzenöle und Fisch.
Kohlenhydrate: Gesunde und sättigende Kohlenhydratquellen sind Hülsenfrüchte, Kartoffeln, naturbelassene Hafer- und Getreideflocken, Quinoa, Reis und Vollkornbrot.
Wisst ihr, ob Eure Kinder die Ernährungsempfehlungen erfüllen? Mit einem Ernährungstagebuch könnt ihr gemeinsam mit Euren Kindern über eine Woche hinweg dokumentieren, welche Lebensmittel in welcher Menge gegessen werden – und so ein Gespür für die täglichen Essgewohnheiten entwickeln.
Der Grundstein für ein gesundes Ernährungsverhalten wird zu Hause in der Familie gelegt. Wenn Ihr Euch mit der Gesundheit Eurer Kinder beschäftigt, stetig dazulernt und als gute Vorbilder voranschreitet, ist der wichtigste Schritt bereits getan.
Quellen
[1] Kersting, M., Kalhoff, H. & Lücke, T. (2017). Von Nährstoffen zu Lebensmitteln und Mahlzeiten. Das Konzept der Optimierten Mischkost für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Aktuelle Ernährungsmedizin, 42(04), 304–315.
[2] Mensink, G. B. M. et al. (2021). EsKiMo II – Die Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (2. Aufl.). Robert Koch-Institut. edoc.rki.de
Über den Autor
Jan Reimann
Experten Allianz Sport, Kinder- und Jugendtraining e.V.
