"Alexa, mach Sport für mich" – Sportliche Angebote und deren Bedeutung für die kindliche Entwicklung
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"Alexa, mach Sport für mich" – Sportliche Angebote und deren Bedeutung für die kindliche Entwicklung

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Sebastian Böhmer & Stephan Menzel

Sportwissenschaftler, Experten Allianz Sport, Kinder- und Jugendtraining e.V.

Immer mehr Kinder bewegen sich zu wenig. Welche sportlichen Angebote wirklich sinnvoll sind, warum frühe Spezialisierung Risiken birgt und wie Eltern die motorische Entwicklung ihrer Kinder optimal fördern können.

Veröffentlicht: April 2023

„Alexa, mach Sport für mich." So oder so ähnlich könnte heutzutage in etwas überspitzter Form die Grundhaltung zum Sport von immer mehr Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen umrissen werden.

Sicher, das Leben ist Veränderung. Doch die letzte Welle der vom Robert-Koch-Institut (RKI) durchgeführten KiGGS-Studie (2017) sowie Bestandsaufnahmen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sprechen eine eindeutige Sprache fragwürdiger Entwicklungsprozesse. Mit Blick auf die gesundheitlichen Folgen für die sog. Digital Natives und deren Folgegenerationen stellt sich die Frage: Wie können wir im Zeitalter digitaler Technologie Grundlagen schaffen, die Kindern einen adäquaten und nachhaltigen Einstieg in die Welt des Sports ermöglichen?

Dass vielseitige körperliche Aktivität und Training durch die Schulung konditioneller und koordinativer Fähigkeiten die motorische Entwicklung fördert, ist hinlänglich bekannt. Sport ist überdies ein notwendiger und grundlegender Bestandteil der Ontogenese – dem Entwicklungszeitraum eines Individuums von der Zeugung bis zum Lebensende. Scheid und Rieder (2001) beschreiben die menschliche Entwicklung als „ein in ständiger Wechselwirkung sich vollziehendes Ineinander von Wachstum, Reifen, Lernen und Sozialisation."

Was sollte ein kindgerechtes Sportangebot beinhalten?

Aus sportwissenschaftlicher Sicht differenzieren sich fundamentale und elementare Alltagsbewegungen wie Gehen, Laufen, Springen und Werfen geschlechtsunabhängig bis zum 6./7. Lebensjahr aus. In dieser Phase erwirbt das Kind einfache Bewegungskombinationen und Bewegungsgrundtechniken. Die Bedeutung dieser frühen motorischen Prägung für den weiteren Entwicklungsverlauf kann kaum überschätzt werden. [1]

Entscheidend ist dabei, Ganzkörpersportarten auszuführen, die weder Überlastung noch Unterforderung einzelner Muskelgruppen hervorrufen. Von einem sportartspezifischen Training für Kinder dieser Altersklasse ist eher abzusehen: Eine Review-Studie der Universität Indianapolis (Journal of Athletic Training, 2019) zeigt, dass Kinder, die zwischen dem 6. und 13. Lebensjahr in verschiedenen Sportarten Erfahrungen sammeln, zu besseren sportlichen Ergebnissen kommen als jene, die sich früh spezialisieren. Umgekehrt besteht bei früher Spezialisierung sogar ein höheres Verletzungsrisiko durch Überbeanspruchung. [1]

Kinder beim Sport im Fitnessstudio beim Aufwärmen

Empfehlenswerte Sportangebote für Kinder

Neben altersgerechter körperlicher Aktivität im Alltag – Fahrradfahren, Klettern, Springen, Toben auf der Wiese – bieten Sportvereine und Trainingseinrichtungen Schnupperstunden an. Unter den Aspekten des Ganzkörpertrainings sind besonders folgende Sportarten empfehlenswert:

Kinderturnen: Legt den Grundstein für konditionelle und koordinative Ansprüche vieler weiterer Sportarten. Die Entdeckung des Körpers mit allen Sinnen macht Kindern naturgemäß Freude – ohne dass sie erst motiviert werden müssen.

Kinder-Judo: Stärkt Stütz- und Haltemuskulatur und schult grundlegende koordinative und konditionelle Fähigkeiten.

Kindersport im Park: Stellt natürliche Bewegungsabläufe in den Vordergrund und wird in immer mehr Städten angeboten.

Kinder-Yoga: Kann gut mit anderen Sportarten kombiniert werden und fördert Körpergefühl und Entspannungsfähigkeit.

Ballsportarten (ab Grundschulalter): Schulen zunehmend auch soziale Kompetenzen – Kinder lernen zu gewinnen und zu verlieren, nehmen Rollen ein und üben Empathie.

Kinderschwimmen: Sehr gelenkschonendes Training. Kinder erlernen die Techniken des Kraul-, Brust- und Rückenschwimmens und trainieren ihre Ausdauer. Schwimmabzeichen und erste Wettkämpfe motivieren zusätzlich.

Kampfsportarten (Karate, Judo, Taekwondo): Unruhige Kinder lernen hier, ihre Energie positiv einzusetzen. Unsichere oder ängstliche Kinder gewinnen meist an Selbstbewusstsein.

Leichtathletik: Besonders aktive Kinder können sich richtig austoben und erste Wettkampferfahrungen machen. Sportwissenschaftler empfehlen das Turnen als Ergänzungssport.

Ballett, Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik: Erfordern bereits gute Körperbeherrschung – Schnupperkurse zu Beginn sind ausreichend; der Spaß sollte im Vordergrund stehen.

Gruppe Kinder hängt an Klimmzugstangen im Park

Fazit

Körperliche Aktivität und Sport machen glücklich und fördern die Gesundheit. Auch und gerade in Zeiten der Digitalisierung sollte speziell den Kleinsten ein Trainingsangebot unterbreitet werden. Das Ziel: einen grundlegenden, positiven Lerneffekt beim Sport zu erzeugen, der im Zusammenhang mit Freude und Gesundheit verinnerlicht wird. Körperliche Aktivität sollte als lebenslanger und selbstverständlicher Bestandteil der persönlichen Entwicklung betrachtet werden.

Von einem leistungsorientierten, sportartspezifischen Training für Kinder in der Phase der Ausdifferenzierung ihrer Grundbewegungen ist aufgrund verschiedener Faktoren – Verletzungsgefahr, Demotivationsrisiko – abzusehen. Wichtig ist, dass die jeweilige Entwicklungsstufe des Kindes beachtet und der Spaß an der körperlichen Aktivität gefördert wird, damit der Grundstein für ein gesundes, bewegungsorientiertes Leben gelegt werden kann.


Quellen

[1] Kophal, M. (2022). Sportarten für Kinder: Was Sportwissenschaftler empfehlen. Spiegel Gesundheit. spiegel.de

[2] Scheid, V. & Rieder, H. (2001). Wie entwickelt sich die menschliche Bewegung? In V. Scheid & R. Prohl (Hrsg.), Bewegungslehre. Kursbuch Sport (S. 81–121). Wiebelsheim: Limpert.

[3] Wollny, R. (2010). Bewegungswissenschaft – ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Meyer & Meyer Verlag, Aachen.

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Über den Autor

Sebastian Böhmer & Stephan Menzel

Sportwissenschaftler, Experten Allianz Sport, Kinder- und Jugendtraining e.V.

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